Morgen kommt ein neuer Himmel: Lori Nelson Spielman

Lori Nelson Spielmann. Morgen komt ein neuer Himmel. 368 Seiten Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 8 (24. März 2014)
Lori Nelson Spielman. Morgen kommt ein neuer Himmel. 368 Seiten.
Verlag: FISCHER Krüger. 2014

Die 34-jährige Brett ist Karrierefrau und arbeitet im Familienunternehmen Bohlinger Cosmetics, deren Geschäftsführerin ihre Mutter ist. Ihre Mutter Elizabeth war seit Kindheitstagen ihre große Stütze und wusste sie immer zu trösten mit dem Satz „Morgen kommt ein neuer Himmel, mein Schatz, wart’s nur ab.“ Daher trifft es Brett besonders hart, dass ihre Mutter an Krebs erkrankt und kurz darauf stirbt. Sie geht fest davon aus, dass sie nun die Leitung der Firma übernehmen wird. Schockiert muss Brett bei der Testamentseröffnung feststellen, dass diese Position nun von ihrer Schwägerin übernommen wird. Für sie hat sich ihre Mutter etwas ganz Anderes überlegt, da sie ahnte, dass Brett im Job und mit ihrem Freund unglücklich ist. So erhält Brett ihren Anteil am Erbe nur, wenn sie eine Liste mit 20 Punkten innerhalb eines Jahres erfüllt. Als 14-jährige hatte sie eine Liste mit Lebenszielen geschrieben, die ihre Mutter aufbewahrt hat und darauf nun die offenen Punkte markiert hat. Nach einigen Überlegungen lässt Brett sich darauf ein und plant z.B. einen Auftritt auf der Comedy-Bühne, begibt sich auf die Suche nach ihrem Vater, kauft sich einen Hund usw. Nach jedem geschafften Ziel, erhält Brett von dem Notar einen Brief von ihrer Mutter mit aufmunternden Worten. Je mehr sich Brett auf das Experiment ihrer Mutter einlässt, umso mehr Lebensfreude spürt sie und findet den Weg zurück zu sich selbst.

Es ist ein sehr berührender und ergreifender Roman, den man gar nicht aus der Hand legen möchte sondern immer weiter lesen will. Es ist eine Geschichte, die einen so schnell nicht loslässt und auch dazu anregt über die eigenen Jugendträume nachzudenken. Von Andrea

Dieses Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.

Auflaufend Wasser: A. Dehe, A. Engstler

Astrid Dehle / Achim Engstler: Auflaufend Wasser.113 Seiten. Novelle. Steidl Verlag. 2013
Astrid Dehle, Achim Engstler: Auflaufend Wasser. Novelle. 113 S. Steidl Verlag. 2013

Wer einmal die Nordsee mit ihren Ostfriesischen Inseln besucht hat, stößt irgendwann unweigerlich auf die tragische Geschichte des jungen Navigationsschülers Tjark Evers. So ist es auch mir ergangen, als ich vor über 30 Jahren auf Spiekeroog einen Ausflug ins Watt unternahm und sie mir erzählt wurde. Sie gehört zu den Geschichten, die mir auf immer fest im Gedächtnis geblieben sind.
Sie beginnt an einem frühen nebligen Wintermorgen, dem Tag vor Weihnachten im Jahre 1866, als sich der 20-jährigen Tjark Evers mit drei weiteren Männern in einem Ruderboot vom Festland zu den Inseln aufmacht. Er möchte seine Familie überraschen, die ihn eigentlich erst Neujahr erwartet. Nachdem der erste auf Langeoog abgesetzt ist, wird Baltrum angesteuert. Der Sprung auf gesicherten Inselboden gelingt jedoch nicht. Tjark Evers landet auf einer vorgelagerten Sandbank, die unerreichbar hunderte Meter weit entfernt vor Baltrum liegt. Mitten im immer dichter werdendem Nebel, steigt die Flut immer höher und Hilfe ist nicht da. Es bleiben ihm zum Abschiednehmen kurze geschriebene Zeilen und Sätze, die ihm Zuflucht gewesen sein könnten.

Nun hat das Autorenduo Astrid Dehle / Achim Engstler eine Novelle über diese wahre und unerhörte Begebenheit geschrieben. Es ist ihnen gelungen Tjark Evers Abschieds Sätze in sehr einfachen und präzisen Worten zu interpretieren und zwischen den Zeilen zu lesen. So ist ein kleines düsteres Gesamtkunstwerk zwischen Wirklichkeit und Illusion entstanden. Was Tjark Evers in seiner ausweglosen Situation, die er nicht mehr korrigieren kann empfunden haben könnte, das Überschreiten ins Totenreich und letztendlich das Meer als fremde Macht und den Nebel als existentielle Bedrohung anzuerkennen.

Wirklichkeit geblieben ist die Zigarrenschachtel in welche Tjark Evers seine Abschiedsworte legte und mit seinem Halstuch fest verschlossen hatte. Diese Kiste wurde kurze Zeit später als Strandgut gefunden. So kommt die Geschichte zu uns zurück und kann von dieser Begebenheit erzählen. Im Museum auf Baltrum ist sie zu finden. Von Sibylle

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Valerie kocht: Maria Goodin

Valerei kocht 2
Maria Goodin: Valerie kocht. 352 Seiten. Kindler Verlag. 2013

Valerie kocht für ihr Leben gern. In ihrer Küche verarbeitet sie alles was die Natur ihr bietet. Und sie liebt Fantasiegeschichten, die sie ihrer kleinen Tochter damals mit Vorliebe während der vielen Stunden in der Küche erzählte. Nell, die als kleines Mädchen alles für bare Münze genommen hat, wird während ihrer Schulzeit von ihren Mitschülern heftig aus dieser Fantasiewelt herausgeholt und will nichts mehr mit diesen „Unwahrheiten“ zu tun haben. Die angehende Naturwissenschaftlerin glaubt seitdem nur noch nachweisbaren Fakten. Als sie als 21-jährige zurückkehrt in das Haus ihrer Mutter, die von einer schweren Krankheit gezeichnet ist, will sie endlich die Wahrheit über ihre eigene sowie die Vergangenheit ihrer Mutter erfahren. Sie macht sich auf die Suche und stellt dabei fest, dass diese Wahrheit nichts mit den Geschichten ihrer Mutter zu tun hat. Nun muss sie lernen endlich wieder Gefühle zuzulassen und auf ihre Intuition zu hören.

Eine anrührende Mutter-Tochter-Geschichte, die fantasie-und humorvoll, manchmal etwas skurril und zugleich zutiefst traurig ist. Von Helene

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Mein Leben ohne Gestern: Lisa Genova

Lisa genova
Lisa Genova: Mein Leben ohne Gestern. 317 Seiten. Lübbe. 2009

Eine Diagnose, die das Leben der 50 jährigen Alice und ihrer Familie grundlegend ändert: Alzheimer.

Alice Howland hat mit Anfang 50 viel erreicht und führt ein ausgefülltes Leben. Sie unterrichtet als Professorin für kognitive Psychologie an der Harvard Universität, hat wissenschaftliche Schriften publiziert und ist eine gefragte Rednerin auf wissenschaftlichen Symposien. Sie führt eine langjährige, glückliche Ehe mit John, ebenfalls ein renommierter Wissenschaftler. Die drei erwachsenen Kinder Anna, Tom und Lydia sind erfolgreich ins Leben gestartet.
Plötzlich passieren der sonst immer so gut organisierten Alice unerklärliche Aussetzer: Mitten in ihrem Vortrag fehlt ihr plötzlich das richtige Wort um den Satz zu beenden. Auf ihrer morgendlichen Joggingrunde, weiß sie auf einmal nicht mehr den Weg nach Hause.

Ihre beginnende Vergesslichkeit versucht sich Alice mit den Wechseljahren zu erklären. Dieser Verdacht bestätigt sich nicht, die Symptome dagegen werden immer schlimmer. Ein Besuch bei dem Neurologen Dr. Davis bringt die schreckliche Gewissheit: Alice leidet an einer Form der Alzheimerkrankheit, die schon in relativ frühem Alter beginnt.

Der Schock für die Familie ist groß! John will anfangs nicht wahrhaben, dass seine brillante, hochintelligente und geliebte Frau an Alzheimer erkrankt sein soll. Doch die Symptome werden auch für ihn unübersehbar! Als er die Diagnose akzeptiert hat, sucht er fieberhaft nach Behandlungsmöglichkeiten, die den weiteren Verfall von Alices Gehirn stoppen sollen.
Auch die Kinder finden ihren Weg, mit der Erkrankung der Mutter umzugehen, den Alltag zu organisieren und vor allem die emotionale Nähe zu ihrer Mutter zu halten.

Alice versucht ihr Leben so zu organisieren, dass die sich häufenden Aussetzer kaschiert werden und gründet eine Selbsthilfegruppe für Demenzkranke im Frühstadium.
Trotz allem ist Alice auf Dauer den Anforderungen ihres Berufes nicht mehr gewachsen und muss ihren Lehrstuhl aufgeben.
Ihren letzten, gut vorbereiteten Vortrag hält sie allerdings nicht in Harvard, sondern vor einer großen Gruppe von Fachleuten aus dem Gesundheitswesen, die sich der Behandlung und Pflege von Demenzerkrankten widmen.

Die promovierte Neurowissenschaftlerin und Autorin Lisa Genova, hat mit ihrem Debütroman eine emotional bewegende Geschichte um das Thema der Alzheimerkrankheit geschrieben und dem Leser Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt einer Erkrankten gewährt. Sie macht auch deutlich, welcher Belastung die betroffenen Familien ausgesetzt sind.
Alices Familie hat dieser Belastung standgehalten und auch als die inzwischen 51. jährige ihren Mann John und die Kinder nicht mehr erkennt, fühlt sie sich in ihrer Mitte so geborgen, dass ihr nur auffällt: „Ich vermisse mich selbst“. Von Rosi

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Das spröde Licht: Tomás GonzálezI

Tomás González: Das spröde Licht. Fischer Verlag. 2012
Tomás González: Das spröde Licht. 176 Seiten. S. Fischer. 2012

Bei den Neuanschaffungen in der ÖB Bonn sprang mir dieser Buchtitel ins Auge: „Das spröde Licht“ des kolumbianischen Autors Tomás González. Es ist eine sprachlich klare, einfühlsame und eindringliche Erzählung über die Liebe, die Familie, das Altwerden, das Leben und das Sterben.

Was der Ich-Erzähler David zu berichten hat, liegt 18 Jahre zurück, aber die Geschehnisse sind noch so lebendig in ihm, als wäre alles gestern passiert. David, einst ein in den Staaten und Kolumbien erfolgreicher Maler, greift als Übersiebzigjähriger zur Feder, da er wegen seiner rasch fortschreitenden Erblindung nicht mehr malen kann. Doch es ist ihm ein Bedürfnis aufzuschreiben, wie er und seine Familie den Freitod des ältesten Sohnes Jacobo erlebten, wie sie ihn fürchteten und gleichzeitig wünschten: „Ich schaute auf die Uhr. Es war nach halb eins. Die Zeit kam mit einer Wucht auf uns zu, als wolle sie uns mit Steinen und Ziegeln überschütten.“ (S. 54) Jacobo, seit einem Verkehrsunfall querschnittsgelähmt, leidet unter zunehmend unerträglichen Schmerzen. Deshalb beschließt er, mit Wissen der Familie und in Begleitung seines Bruders Pablo in Portland die Sterbehilfe eines Arztes in Anspruch zu nehmen. Obwohl die Eltern zusammen mit dem jüngsten Bruder Arturo (und einigen eingeweihten oder ihnen nahe stehenden Personen) im fernen New York warten, sind sie in jeder Sekunde bei ihren Söhnen im fernen Oregon.

Man könnte meinen, dass allein dieses Thema zwangsläufig eine traurige, bedrückende Erzählung zur Folge haben müsste. Doch wie der alte Mann – längst wieder in Kolumbien – aus einer erfüllten Gegenwart heraus zurück auf seine Familie, die Ehe mit seiner bereits verstorbenen Frau und seine schöpferische Arbeit als Maler blickt, zeigt, dass solche einschneidenden Ereignisse zum Leben dazugehören und sie einen nicht mut- und freudlos machen müssen. „Eine Welt ohne Schmerz, dachte ich, wäre so unvollständig, unharmonisch und hässlich wie eine Skulptur oder ein Baum ohne Schatten.“ (S. 143)

Das gebundene Buch hat 176 Seiten und ist 2012 im S. Fischer-Verlag erschienen. Das Original erschien 2011 im Verlag Alfaguara in Bogotá und wurde von Peter und Rainer Schultze-Kraft sehr gut übersetzt. Nach der Lektüre von „Das spröde Licht“ denke ich, es lohnt sich, noch mehr von Tomás González zu lesen. Von Irmgard aus Oberwinter

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