28 Tage lang: David Safier

David Safier. 28 Tage lang. 413 Seiten. Kindler Verlag. 2014

Was für ein Mensch willst du sein?“
Vor dem Hintergrund des Überlebenskampfes im Warschauer Ghetto stellt sich diese Frage jeden Tag neu und erhält differenzierte Antworten. Denn jeder Tag ist eine existentielle und moralische Herausforderung – für die Ich-Erzählerin Mira ebenso wie für jeden, egal auf welcher Seite der Ghettomauern er lebt. Was würde jeder einzelne von uns tun, um zu überleben?

Zu Beginn des Romans lernen wir die 16jährige Jüdin als ein Mädchen kennen, das unter Lebensgefahr Lebensmittel aus dem freien Teil Warschaus ins Ghetto schmuggelt. Damit sichert Mira das Leben ihrer jüngeren Schwester Hannah und ihrer Mutter, die nach dem Selbstmord ihres Mannes in Lethargie versunken ist. Miras Bruder Simon hat sich der kollaborierenden Judenpolizei angeschlossen, um zu überleben und hat sich dadurch von seiner Familie entfremdet.

Auf einer Schmuggeltour lernt Mira den jüdischen Widerstandskämpfer Amos kennen, der ihr das Leben rettet und in den sie sich verliebt. Doch bis sie so weit ist, sich auch dem Widerstand anzuschließen und ihrem Volk dadurch Würde zurückzugeben, muss sie als einzige Überlebende ihrer Familie zurückbleiben. 28 Tage lang kann sich der jüdische Widerstand gegen die Übermacht der SS behaupten.

Im Anhang spricht der Autor über seinen langgehegten Wunsch, ein Buch über den Holocaust zu schreiben. Alle Figuren sind fiktiv; doch alles, was sie erleben, ist so oder ähnlich Menschen im Ghetto passiert. So eifert zum Beispiel Miras Freund Daniel dem polnischen Arzt und Schriftsteller Janusz Korczak nach, der mit „seinen“ Waisenkindern in die Verladezüge ging anstatt seine Popularität für seine eigene Rettung zu nutzen. Indem Safier eine Romanfigur erschafft, kann er den Leser hautnah miterleben und –empfinden lassen, wie Menschen unter Extrembedingungen wie im Warschauer Ghetto leben und leiden, aber auch fühlen und lieben.

Ein ganz anderes Buch von David Safier als gewohnt, spannend, temporeich und einfühlsam erzählt. Erschienen 2014 bei Kindler; mit Nachwort, 413 Seiten. Von Irmgard

Dieses Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.

Eine Antwort auf „28 Tage lang: David Safier“

  1. David Safiers Helden müssen sich als Ameisen zurechtfinden (Mieses Karma) oder sind plötzlich Shakespeare… aber nicht in diesem Roman: diesen hat der Autor für seine Kinder geschrieben. Und für seine Großeltern, die in Buchenwald und im Ghetto gestorben sind. Er wollte vom Holocaust erzählen und zwar so spannend wie möglich. Seine Heldin: die 16-jährige Mira, die beim Aufstand des Warschauer Ghettos mitkämpft. 28 Tage lang. Unbedingt lesen!

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