Ziemlich beste Freunde

Ziemlich beste Freunde
Ziemlich beste Freunde. Spieldauer 108 Min. 2012. FSK ab 6

Literatursalon---VorderseiteDer reiche Geschäftsmann Philippe ist seit einem Unfall beim Gleitschirmfliegen vom Hals an abwärts gelähmt. Nach dem Tod seiner geliebten Frau hat er seinen Lebensmut völlig verloren und lebt ein zurückgezogenes Leben in seinem Pariser Luxusdomizil, umgeben von einer Schar professioneller Angestellter.
Als er einen neuen persönlichen Assistenten sucht, bewirbt sich auch Driss, ein junger Kleinkrimineller aus den Pariser Banlieue. Driss möchte sich eigentlich nur eine Bescheinigung für das Arbeitsamt abholen, aber Philippe findet Gefallen an dem respektlosen jungen Mann und stellt ihn ein.
Mit seiner unbekümmerten Direktheit weckt Driss bei Philippe wieder Neugier auf das Leben und erdet gleichzeitig die absurden Exzesse des elitären gesellschaftlichen Umfelds von Philippe.
Im Gegenzug vermittelt Philippe Driss Vertrauen in seine Stärken und ermöglicht ihm einen bislang verwehrten Zugang zu Kunst und Bildung.
Die Freundschaft dieser beiden völlig unterschiedlichen Charaktere steht im Mittelpunkt dieser tragisch- komischen französischen Sozialromanze. Ihr großer Erfolg liegt in der Hoffnung, die sie vermittelt, die Gegensätze unserer Welt und die Schranken zwischen arm und reich, weiß und schwarz, behindert und nicht behindert können mit Menschlichkeit, Toleranz und Respekt überwunden werden.
Als Driss am Schluss ein Kennenlerndinner für Philippe und dessen Brieffreundin Eleonore arrangiert und Driss voller Selbstvertrauen mit einem Vermögen von 11000 Euro aus dem Verkauf seines ersten Gemäldes seinen eigenen Weg beschreitet, ist das Happyend dieses Real- Märchens perfekt.
Im Abspann wird noch einmal deutlich gemacht, dass der Film auf einer wahren Geschichte beruht.
Fotos von Philippe Pozzo di Borgo und Abdel Sellou, die die Inspiration zum Film lieferten, werden hier in freundschaftlicher Verbundenheit in ihrer neuen Heimat Marokko gezeigt.

Die mitreißende Kraft des Films kann sich dank durchweg hervorragender Darsteller entfalten.
Francois Cluzet verleiht der Mimik des gelähmten Philippe ungeheure Intensität, Omar Sy verkörpert hinreißend die ansteckende Lebensfreude des jungen Driss. Auch die Nebendarsteller, die Hausangestellten Yvonne und Magalie, überzeugen.
Das Drehbuch und Regie kommen aus einer Hand – von Olivier Nakache und Eric Toledano – und sind aus einem Guss.
Die berührende Geschichte wird in flottem Tempo erzählt mit gelungen platzierten Pointen und entlässt den Zuschauer mit dem warmen Gefühl, doch in einer Welt zu leben, in der Nächstenliebe und Hoffnung zu Hause sind.
Von Christine Lesepunkt: Waldbröl

Buch und Film können in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du den Film vormerken. Hier kannst du das gleichnamige Buch von Philippe Pozzo di Borgo vormerken.

4 Antworten auf „Ziemlich beste Freunde“

  1. Als ich das erste Mal diesen Film gesehen habe, habe ich kurz überlegt ob man darüber lachen „darf“. Aber ich habe dann entschieden, dass es ein Film ist, über den man einfach lachen muss! Es wird einem auf so wunderbar humorvoller Weise gezeigt, wie grausam das Leben ist wenn man gar nichts mehr selber machen kann. Und auch der Pfleger und seine Herkunft werden hart, ungeschönt, aber trotzdem warmherzig in diesem Film gezeigt. Ein Film, den man unbedingt gesehen haben muss! Eine Reportage über die wahre Geschichte hinter dem Film hat vor einiger Zeit berichtet wie nah der Film tatsächlich an der Wahrheit dran ist.

  2. Hallo Christine, vielen Dank für deine super Rezension zu diesem großartigen Film! Ich habe ihn mehrmals gesehen! Besonders schön fand ich es, ihn mir gemeinsam mit dem Literatursalon anzuschauen und sich anschließend auszutauschen. Wir haben sehr gelacht und gelächelt und sind ins Gespräch gekommen über Menschlichkeit, die aus dem Herzen kommt, die den anderen so nimmt wie er ist, ohne nachzudenken, ohne sich um irgendwelche Normen oder gesellschaftliche Regeln zu kümmern, direkt, geradeaus.
    Der Filmclub in Hauffes Buchsalon zeigt „Ziemlich beste Freunde“ am 28. November um 20.00!
    Wer kann, sollte hingehen!

  3. Der Film ist an manchen Stellen natürlich übertrieben, aber auch UNTERTRIEBEN
    zb der Nachbar, den der Pfleger Driss bedroht hat, weil er vor der Einfart stand, war in Wirklichkeit (die Handlung ist ja wahr) der Botschafter O_0
    Ich fand den Film toll. (~:

  4. Diesen Film habe ich zusammen mit anderen Leuten gesehen, durchweg alle waren fasziniert von dieser wahren Geschichte. Mit gemischten Gefühlen gegenüber der Behinderung und vielen Einschränkungen im Leben fanden sich einige Zuschauer wieder. Einige fanden das Benehmen und Auftreten des jungen Mannes, Driss, gelinde gesagt: unmöglich. Auch für ihn war es ein Lernprozess, Verantwortung zu übernehmen, sich der Arbeitsaufgabe zu stellen. Aber nach und nach war es für uns sichtbar und nachfühlbar, wie sein unverkrampfter Umgang die Lebensfreude von Philippe wieder entfesselte… Genau richtig. Es zeigt, wie einfach und zugleich schwierig es ist, auf jeden einzelnen mit seinen individuellen Probleme einzugehen…

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