Mein Leben ohne Gestern: Lisa Genova

Lisa genova
Lisa Genova: Mein Leben ohne Gestern. 317 Seiten. Lübbe. 2009

Eine Diagnose, die das Leben der 50 jährigen Alice und ihrer Familie grundlegend ändert: Alzheimer.

Alice Howland hat mit Anfang 50 viel erreicht und führt ein ausgefülltes Leben. Sie unterrichtet als Professorin für kognitive Psychologie an der Harvard Universität, hat wissenschaftliche Schriften publiziert und ist eine gefragte Rednerin auf wissenschaftlichen Symposien. Sie führt eine langjährige, glückliche Ehe mit John, ebenfalls ein renommierter Wissenschaftler. Die drei erwachsenen Kinder Anna, Tom und Lydia sind erfolgreich ins Leben gestartet.
Plötzlich passieren der sonst immer so gut organisierten Alice unerklärliche Aussetzer: Mitten in ihrem Vortrag fehlt ihr plötzlich das richtige Wort um den Satz zu beenden. Auf ihrer morgendlichen Joggingrunde, weiß sie auf einmal nicht mehr den Weg nach Hause.

Ihre beginnende Vergesslichkeit versucht sich Alice mit den Wechseljahren zu erklären. Dieser Verdacht bestätigt sich nicht, die Symptome dagegen werden immer schlimmer. Ein Besuch bei dem Neurologen Dr. Davis bringt die schreckliche Gewissheit: Alice leidet an einer Form der Alzheimerkrankheit, die schon in relativ frühem Alter beginnt.

Der Schock für die Familie ist groß! John will anfangs nicht wahrhaben, dass seine brillante, hochintelligente und geliebte Frau an Alzheimer erkrankt sein soll. Doch die Symptome werden auch für ihn unübersehbar! Als er die Diagnose akzeptiert hat, sucht er fieberhaft nach Behandlungsmöglichkeiten, die den weiteren Verfall von Alices Gehirn stoppen sollen.
Auch die Kinder finden ihren Weg, mit der Erkrankung der Mutter umzugehen, den Alltag zu organisieren und vor allem die emotionale Nähe zu ihrer Mutter zu halten.

Alice versucht ihr Leben so zu organisieren, dass die sich häufenden Aussetzer kaschiert werden und gründet eine Selbsthilfegruppe für Demenzkranke im Frühstadium.
Trotz allem ist Alice auf Dauer den Anforderungen ihres Berufes nicht mehr gewachsen und muss ihren Lehrstuhl aufgeben.
Ihren letzten, gut vorbereiteten Vortrag hält sie allerdings nicht in Harvard, sondern vor einer großen Gruppe von Fachleuten aus dem Gesundheitswesen, die sich der Behandlung und Pflege von Demenzerkrankten widmen.

Die promovierte Neurowissenschaftlerin und Autorin Lisa Genova, hat mit ihrem Debütroman eine emotional bewegende Geschichte um das Thema der Alzheimerkrankheit geschrieben und dem Leser Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt einer Erkrankten gewährt. Sie macht auch deutlich, welcher Belastung die betroffenen Familien ausgesetzt sind.
Alices Familie hat dieser Belastung standgehalten und auch als die inzwischen 51. jährige ihren Mann John und die Kinder nicht mehr erkennt, fühlt sie sich in ihrer Mitte so geborgen, dass ihr nur auffällt: „Ich vermisse mich selbst“. Von Rosi

Dieses Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.

Eine Antwort auf „Mein Leben ohne Gestern: Lisa Genova“

  1. Ich kann dem nur zustimmen, das Buch ist lesenswert und bewegend. Ich habe es vor einiger Zeit im englischen Original gelesen, wo es den, wie ich finde, treffenderen Titel „Still Alice“ hat. Denn um das ‚Selbst‘ bzw. um die Frage ob durch den Verlust des Gedaechtnisses auch das Selbst verloren geht, geht es ja auch in der Demenz. Dies ist eine Frage, die sich besonders auch Angehoerige stellen und fuer sich beantworten muessen. Ich finde es daher gut, dass dieses Thema im Buch schon durch den Titel positiv hervorgehoben wird.
    Ganz besonders ergreifend finde ich, dass die Geschichte aus Alices Perspektive erzaehlt wird. So wird der Leser sehr eng auf ihre Reise mitgenommen und durchlebt Alices Situation einerseits zusammen mit ihr, aber erfaehrt gleichzeitig auch in der Distanz des Betrachters die immer groesser werdende Diskrepanz zwischen ihrer Wahrnehmung und der Aussenwelt.

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