Kolyma: Tom Rob Smith

Rob Smith: Kolyma. 480 Seiten. DUMONT Literatur und Kunst Verlag. 2009
Tom Rob Smith: Kolyma. 480 Seiten. DUMONT Literatur und Kunst Verlag. 2009

… verschollen, umgekommen, umgebracht, vermisst, vergessen, gefangen, heimgekehrt…

… nach langen Jahren der unmenschlichen, würdelosen Sklaverei in sowjetischen Arbeitslagern, verzweifelt, heimgekehrt und der eigenen Familie fremd geworden …

Um das zu begreifen, was unsere Väter, Großväter durchgemacht und durch Glück oder Zufall überlebt haben, sollte man diesen Thriller (was eigentlich eine Autobiographie jedes politischen Gefangenen, Aussiedler oder deutschen Gefangenen im großen, mächtigen, sowjetischen Russland ist) lesen.

Lesen, um verzeihen zu können, dass unsere Väter, Großväter uns fremd waren und – „anders“.
Von Bakediva

Dieser Thriller kann in der Bücherei ausgeliehen werden. „Kolyma“ kannst du hier vormerken.

Krieg-Stell dir vor, er wäre hier: Janne Teller

Janne Teller: Krieg - stell dir vor er wäre hier. 1 CD Ungekürzte Lesung. Silberfisch. 2011
Janne Teller: Krieg – Stell dir vor er wäre hier. 1 CD. ungekürzt und gelesen von Katja Riemann. Silberfisch. 2011

Eindringlich vorgetragen, Bilder, die einige von uns aus Nachrichten oder Reportagen kennen. Diese lassen sich schwer verscheuchen aus den Gedanken, aus den Erinnerungen. Überzeugend dargestellt – unsere Eltern oder Großeltern haben in ihrer Kindheit oder Jugendzeit so etwas miterlebt. Resignation, darüber schweigen, keine Kraft mehr um neues zu gestalten, das wird duch ein Beispiel einer Familie dem Hörer nahe gebracht.

Zerbombtes Haus, im Keller wohnen, alle dauernd krank, immer zu wenig Medizin, immerzu Angst und dieser nervende Hunger, kein Lichtblick am Horizont, ausser von Bombenangriffen. Kontrollen der Armee. Der Vater konnte fliehen und versucht sie durch Flucht in ein sicheres Land zu bringen. Sie sind dort Menschen 3. Klasse und werden es bleiben. Egal wie sehr sie sich bemühen, sich im Gastland zu integrieren, ihnen werden Steine in den Weg gelegt, das ohnehin nicht einfache Leben wird ihnen schwer gemacht. Verzweiflung, Mitgefühl mit Flüchtlingen, Angst, Hoffnung – nachspüren, nachfühlen – besser nicht am eigenen Leib erfahren, gemeinsam mit anderen eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft gestalten, damit die Vergangenheit nicht über uns hinwegrollt…

Mehr kann ich nicht dazu schreiben, es hat mich etwas mitgenommen zu lauschen, mir die Realität der Flüchtlinge vorzustellen… Von AsDa

Dieses Hörbuch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.

Ein ganzes halbes Jahr: Jojo Moyes

Jojo  Moyes: Ein ganzes halbes Jahr. 512 Seiten. rororo. 2013
Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr. 512 Seiten. rororo. 2013

Das Buch „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes erzählt die Geschichte von Louisa Clark, genannt Lou, und William Traynor, genannt Will.
Lou ist eine 26-jährige junge Frau, die noch bei ihren Eltern zuhause wohnt. Sie arbeitet in einem Café und liebt ihren Job über alles. Mit ihrem Gehalt versucht sie, so gut es geht, ihre Familie finanziell zu unterstützen. Denn in Lou’s Familie ist nur wenig Geld vorhanden, ihre Mutter pflegt den Großvater zu Hause, ihr Vater hat Angst davor, dass er seinen Job verliert und ihre Schwester muss ihr Kind versorgen. Der Inhaber des Cafés schließt dieses und Lou verliert ihren Job. Die Verzweiflung ist riesig, so dass sie sich auf den Weg zum Jobcenter macht. Dort bekommt sie, nach einigen nicht prickelnden Jobangeboten, dann einen Job als Pflegekraft angeboten. Lou ist sehr skeptisch, da sie keine Pflegeausbildung hat und eigentlich möchte sie auch keine fremden Menschen anfassen. Doch aufgrund der finanziellen Sorgen und nachdem ihr versichert wurde, dass sie nicht die körperliche Pflege übernehmen muss, geht sie zum Vorstellungsgespräch und bekommt schließlich auch den Job.
Sie kümmert sich von jetzt an um den 35-jährigen Will, der seit einem Unfall vor 2 Jahren im Rollstuhl sitzt, da er ein C4-C5 Tetraplegiker ist, dass heißt er kann seine Beine nicht mehr bewegen und die Bewegungsfreiheit der Arme und Hände ist stark eingeschränkt. Früher war Will ein absoluter Sportsfan und hat viel Sport getrieben, doch seit dem Unfall hat er seine Lebenslust verloren und ist genervt, dass er ständig auf seine Mitmenschen angewiesen ist.

Als Lou und Will das erste Mal aufeinander treffen wird schnell klar, dass sie total unterschiedliche Charaktere haben. Lou ist eine junge Frau mit einem ungewöhnlichen Kleidungsstil, die ein einfaches und unspektakuläres Leben in der Kleinstadt lebt. Sie hat keine wirklichen Ambitionen etwas mehr aus ihrem Leben zu machen und ist zufrieden.

Will war bis vor seinem Unfall ein sehr lebenslustiger Mensch, der die ganze Welt bereisen wollte und alles Mögliche ausprobieren wollte um seine Grenzen zu testen. Nach seinem Unfall hat sich sein Leben total verändert, denn er ist auf die Hilfe seiner Mitmenschen angewiesen und muss sich nach einer Zeit eingestehen, dass er seine eigene Grenze erreicht. Dadurch ist er verbittert und er sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben, empfindet keine Freude mehr und lässt keine Menschen an sich ran. So auch Lou als seine neue Pflegeperson. Will hat kein Interesse daran, dass sich Lou um ihn kümmern und ihm neuen Lebensmut geben soll. Lou ist enttäuscht und kann diese Haltung nicht verstehen, sodass sie oft überlegt alles hinzuschmeißen, doch die Geldsorgen halten sie davon ab. Nach und nach beginnt das Eis zwischen Lou und Will zu bröckeln. Will versteht nicht, warum Lou mit ihrem einfachen Leben zufrieden ist und nicht mehr aus sich machen will und zeigt ihr auf, was sie bisher verpasst hat. Auch Lou lernt die Welt mit anderen Augen zu sehen und erkennt, dass ein Leben im Rollstuhl nicht einfach ist.

Das  Buch „Ein ganzes halbes Jahr“ hat mir sehr gut  gefallen und mich sehr berührt. Es ist eine Geschichte, die einem ans Herz wächst und einen auch nach dem Lesen noch lange beschäftigt. Jojo Moyes gelingt es mit ihrem wunderschönen Schreibstil eine tolle Atmosphäre zu schaffen. Man kann sich super in die Geschichte hinein versetzen. Die Autorin kann auch Außenstehenden, die nichts mit Behinderungen zu tun haben, ein Bild von der Situation zu vermitteln. Ich habe viele neue Einblicke in das Leben mit Behinderung bekommen.
Die Geschichte von Lou und Will ist für den Leser ein Wechselbad der Gefühle, es gibt viele traurige Momente, aber auch lustige und witzige Szenen. „Ein ganzes halbes Jahr“ ist eine Geschichte über die Liebe und das Leben. Meiner Meinung nach, eine ganz besondere Geschichte, die einen fesselt und tief im Herzen berührt. Von Vanessa

Dieses Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.