Wenn ich dich umarme, hab keine Angst: Fluvio Ervas

Fluvio Ervas. Wenn ich dich umarme, hab keine Angst. 319 S. Diogenes. 2013
Fluvio Ervas. Wenn ich dich umarme, hab keine Angst. 319 S. Diogenes. 2013

Entdeckungsreise von Vater und autistischem Sohn, Liebesgeschichte, berührend, konsequent ehrlich.
Von klein auf gab es Therapien, eines Tages beschließt der Vater etwas anderes zu machen und plant diese Reise, die ihn näher zu seinem Sohn bringt.
Er fährt mit seinem 17 Jährigen autistischen Sohn Andrea mit dem Motorrad von Florida nach Kalifornien, weiter mit dem Auto von Mexiko nach Guatemala und durch Brasilien.
Andrea versucht sich Menschen nah zu fühlen indem er ihnen seine Hand auf den Bauch legt. Seine Eltern lassen T-Shirts bedrucken mit dem Satz: “Wenn ich dich umarme, hab keine Angst.“
Die beiden Reisenden treffen auf viele hilfsbereite Menschen, sie reden mit ihnen über ihr Leben und erfahren einiges über deren Alltag.
In der Mitte des Buches vermitteln Fotos einen Eindruck der Reisenden, etliche Wegbereiter sind dabei vertreten. Unter einigen Bildern sind Sätze, die das Leben aus der Sicht des Sohnes erklären.
Andrea kann über den Computer kommunizieren in ganzen Sätzen, er braucht die Hilfe einer Person, die ihn anleitet.

Vater: “Andrea erinnerst du dich, wie ich unterwegs mit dir über das Leben gesprochen habe?“
Andrea: “andrea hört was papa sagt ich versuche jeden tag meinen geist anzustrengen kämpfe aber umsonst bin verzweifelt über meinen autismus.“
Sieben Uhr morgens. Andrea ist schon auf und sprüht vor Energie. Der Computer war die ganze Nacht an.
Vater: „Wie war es für dich in New Orleans?
Andrea: “straßen voll musik durch die stadt großer fluss gute pommes frites.“

Ohne Eile brausen wir los. Kilometer um Kilometer schlucken wir den Raum, der Asphalt ist wie Schokolade. Mit der Kraft eines Jugendlichen hält er sich fest, aufgeregt und cool zugleich. Auf dem Motorrad stürmen wir Miami Beach …

Als Leserin habe ich überlegt, ob es von Vorteil ist, wenn man selber Kinder hat, oder ob dieses Detail unwichtig ist. Mein Ergebnis ist, dass jeder Leser es für sich klären kann. Wichtig finde ich, dass ich mich auf die Reise und die Beziehung zwischen Vater und Sohn einlasse, die Nähe nachempfinde. Eine Reise, die uns die Möglichkeiten des Lebens zeigt, sobald wir uns auf unsere eigene Fahrt aufmachen. Ich habe versucht die Reise zu genießen, zugleich abwechselnd die Dinge und Erlebnisse aus der Sicht des Vaters und des Sohnes zu sehen. Mein Fazit ist, dass der Autor das Wechselspiel gut wiedergegeben hat und die Beschreibung der Reise mich als Leser mitreis(s)t – schade, dass diese Fahrt nun ihr Ende hat.Von AsDa (Astrid)

Dieses Buch kann in der Bücherei ausgliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.