Der geheime Himmel – Eine Geschichte aus Afganistan: Atia Abawi

Atia Abawi: Der geheime Himmel – Eine Geschichte aus Afghanistan, dtv-das junge Buch 2015, 338S.
Atia Abawi: Der geheime Himmel – Eine Geschichte aus Afghanistan. 338 Seiten, dtv-das junge Buch. 2015

Als Kind afghanischer Eltern wurde die Autorin 1982 in Deutschland geboren, wuchs in den USA auf, lebte und berichtete als Journalistin 5 Jahre aus Kabul und Afghanistan. Jetzt lebt sie in Jerusalem.

Die Protagonisten, die jugendliche Fatima und der 17 jährige Samiullah, haben schon von klein auf zusammen gespielt und waren beste Freunde. Jetzt, nachdem Sami die „madrasa“, die islamische Religionsschule, verlassen hat und zurückgekehrt ist, treffen sie sich wieder und stellen fest, dass zwischen ihnen nicht nur Freundschaft besteht, sondern sie beide viel mehr für einander empfinden. Da sie unterschiedlichen Stämmen angehören, ist diese Beziehung verboten. Rashid, Samis Cousin, kommt hinter diese Treffen und verrät die beiden. Eine Kette tragischer Ereignisse wird in Gang gesetzt. Fatima flieht mit Sami, in einem kleinen Bergdorf werden sie von einem alten Mullah getraut und sind auf der Flucht in eine Großstadt. Die Gruppe, der sich Rashid angeschlossen hat, verfolgt sie, überfällt die beiden Familien und verwüstet Haus und Einrichtung. Die kleine Schwester Fatimas wird getötet. Überall gibt es Spitzel, die die beiden Liebenden verraten. Mehr möchte ich zum Inhalt nicht erzählen.

Aufgrund ihrer Vorgeschichte gelingt es der Autorin, das Leben der Menschen, fernab von den großen Städten, sehr authentisch und detailliert zu beschreiben, aber auch den Ausbruch aus den Konventionen hautnah mitzuerleben. Die Charaktere werden sehr liebevoll und realistisch beschrieben. Zum Teil ist die Geschichte schockierend und geht unter die Haut. Fernab der islamistischen Welt bekommt man einen Einblick in das Leben von Frauen und mit welcher Brutalität talibannahe Gruppen in die Dörfer einfallen, ihre Macht ausüben und Menschen kontrollieren. Zentral ist die Frage nach der Herkunft und ob etwas, das zu einer Kultur gehört, deshalb auch richtig sein muss. Sollte die Liebe auf der ganzen Welt nicht Gottes Wille sein – unabhängig von der Religion?

Das Buch ist flüssig und leicht geschrieben, die Geschichte packend und es entwickelte sich bei mir ein Lesesog. Geschrieben ist es in der Ich-Perspektive der drei Hauptpersonen. Mir hat es gut gefallen.

Ich würde es jugendlichen Lesern ab 14 Jahren empfehlen und auch Erwachsenen.

Regina

„Der geheime Himmel“ ist leider noch nicht in unserem Bestand. Wenn du es lesen möchtest, werden wir es gerne über die Fernleihe für dich bestellen.

Mauersegler: Christoph Poschenrieder

Poschenrieder, Christoph: Mauersegler : Roman / Christoph Poschenrieder. - Zürich : Diogenes, 2015. - 219 S.
Poschenrieder, Christoph: Mauersegler.  219 Seiten. Zürich, Diogenes. 2015

Wilhelm, Ernst, Heinrich, Siegfried und Carl kennen sich schon seit Kindertagen in einer Provinzstadt. Sie sind einander durch die vielen Jahre verbunden geblieben, spätestens zu ihrem persönlichen „Martinstag“ haben sie sich immer alle getroffen. Martin war der sechste Freund im Bunde, der aber schon in der Jugendzeit der Jungs gestorben ist. In der aufstrebenden Bundesrepublik waren alle mehr oder weniger erfolgreich und wichtig: Wilhelm als führender Justitiar einer großen Versicherung; Heinrich als Lebensmitteltechniker einer Suppenwürfeldynastie, in die er eingeheiratet hat; Ernst hat wichtige IT-Programme geschrieben, die immer noch eingesetzt werden; Siegfried war ein bekannter und anerkannter Intendant, mit Engagements in allen wichtigen Häusern; Und schließlich Carl, ein Journalist und Verfasser einiger Bücher und Erzähler der gemeinsamen Geschichte.
Nun im fortgeschrittenen Alter beschließen die fünf Männer eine WG zu gründen. In einer schönen Villa an einem See raufen sie sich zusammen, lassen sich gegenseitig ihre Macken und genießen die Zeit. Mit den Jahren kommen aber die Krankheiten. Keiner der fünf Herren kann sich vorstellen, den Lebensabend im Krankenhaus oder Pflegeheim zu verbringen. So versprechen sie sich feierlich, mit einem guten Rotwein und einer Zigarre und mit Hilfe eines von Ernst geschriebenen Computerprogramms, einander zu helfen, wenn der Lebenswille zu Ende geht.

Stilistisch ein sehr gut geschriebener Roman, der sich flüssig lesen lässt, zu einem Thema, das sehr aktuell ist. Unsere Bevölkerung wird immer älter, viele Menschen machen sich Gedanken, wie es einmal sein wird oder stecken sogar mitten in der Belastung, die die Pflege ihrer älteren Familienangehörige mit sich bringt. Der Autor hat sich mit dieser Thematik beschäftigt und trotz aller Ernsthaftigkeit eine aufmunternde Geschichte dazu entwickelt. Gefallen hat mir außerdem, dass es in der Geschichte mal um Männer geht, die zwar keine finanziellen Sorgen haben und für die Altersarmut keine Rolle spielt, die sich aber im Alter für ihre Umwelt engagieren und ihr Wissen und ihre finanziellen Möglichkeiten sinnvoll einsetzen und weitergeben.

Von Helene

Dieses Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.

Nordseesommer- Eine Inselgeschichte: Sandra Luepkes, Ole West

Sandra Luepkes und Illustrationen von Ole West, rororo Verlag, April 2013: "Nordseesommer- Eine Inselgeschichte " .
Sandra Luepkes und Illustrationen von Ole West: Nordseesommer- Eine Inselgeschichte. 72 Seiten. rororo Verlag. April 2013

Schöne Umschlaggestaltung und einige Illustrationen von Ole West im Inneren des Buches,  wer sie kennt und mag, wird auch dieses Buch mögen. Einzig, dass die Geschichte recht kurz ist mit 72 Seiten, das fand ich schade.

Inhalt: Frauke Harsewinkel und ihr Jugendlicher Sohn Keno machen Urlaub auf der Insel und bewohnen das Piratennest, ein kleines Ferienhaus. Blöd nur, dass auch Clara und ihr Vater Henning Trigg,  auch zur gleichen Zeit gebucht haben. Ausgebucht wegen der Saison, sie entscheiden sich es zu gemeinsam zu versuchen.
Am nächsten Tag lernen sich Clara und Frauke näher kennen. Später treffen Henning und Keno bei Kaffee in der Küche, und besprechen ihre Aktivitäten. So nimmt der Urlaub seinen Lauf, Sehnsüchte aller Beteiligten kommen zum Vorschein. Keno lernt ein Mädchen kennen, nur wie weiter?
Eine Aktion, gemeinsam Zeit am Strand zu verbringen, könnte gefährlich werden für Clara.
Sehr schöne Geschichte, mit Ansätzen, was sich jeder so wünscht, über das Öffnen,  die kleinen Freuden im Alltag. …

AsDa

Dieses Buch kann nicht in der Bücherei ausgeliehen werden. Gerne besorgen wir es über die Fernleihe für dich.

Der Besuch: Antje Damm

Antje Damm: Der Besuch. Frankfurt: Moritz-Verlag 2015, 36 farbig illustrierte Seiten, fest geb.
Antje Damm: Der Besuch. Frankfurt: Moritz-Verlag 2015, 36 farbig illustrierte Seiten, fest geb.

Ein wunderbares, kluges, eingängiges Bilderbuch für Kinder und eine lebensbejahende Botschaft für Erwachsene!

Im Mittelpunkt steht eine alleinstehende alte Dame: Elise. Schon auf dem Einband erkennt man, dass Elise dem, was sich als warmes, gelbes Licht durch Fenster und Ritzen ihrer grauen Haustür drängt, misstraut. Denn bei ihr ist alles grau und leblos. Sie hat sich in Einsamkeit und Lebensangst eingerichtet. Eines Tages kommt ein bunter Papierflieger durch ein geöffnetes Fenster geflogen – und mit ihm etwas Licht. Der harmlose Flieger bereitet Elise eine alptraumhafte Nacht. Am nächsten Tag klopft es an ihrer Tür. Ein kleiner Junge auf der Suche nach seinem Flieger überrumpelt Elise mit der Selbstverständlichkeit, mit der er ihr Haus betritt. Mit jedem Schritt – und gleichzeitig mit jeder Doppelseite – bringt er mehr Licht und Farbe in ihr Haus, bis es ganz davon erfüllt ist. Elise macht an diesem Tag Dinge, die sie sich schon lange nicht mehr hat träumen lassen, und als der Junge am Abend wieder geht, bleibt die Farbe in Elises stillem Leben zurück.

Die deutsche Autorin und Illustratorin, die sich in ihren Büchern auf fast philosophische Weise Kinderfragen annähert, hat eine dreidimensional wirkende Foto- und Zeichentechnik entwickelt, die die Fachpresse begeistert. Damm hat mit diesem Buch schon zwei Preise eingeheimst. Die Sprache ist kindgerecht und zeitgemäß, der Sinn ist aber auch durch die Farbentwicklung der Bilder ganz ohne Text nachvollziehbar.

Irmgard

Das Buch ist in der Bücherei ausleihbar. Hier kannst du dich vormerken.

Der Distelfink: Donna Tartt

Donna Tartt: Der Distelfink. 1024 Seiten. Goldmann Verlag. 2014
Donna Tartt: Der Distelfink. 1024 Seiten. Goldmann Verlag. 2014

Die Handlung beginnt, als eine alleinerziehende Mutter mit ihrem Sohn das Metropolitan Museum besucht, um ihm berühmte Bilder niederländischer Meister zu zeigen, unter anderem das Bild „Der Distelfink“ des niederländischen Malers Fabritius. Es passiert ein Anschlag im Museum, ein terroristischer Anschlag, die ganze Abteilung bricht in sich zusammen, die Mutter stirbt dabei und der Sohn überlebt mit großem Glück und bekommt den Auftrag eines sterbenden alten Mannes, der auch in dem Museum mit seiner Enkeltochter war, er solle sich den Distelfinken unter den Arm nehmen und sich damit auf den Weg machen. Und so kommt es, dass Theo Decker der neue Besitzer von Fabritius Distelfinken wird.

Mit diesem Zusammenfall von Verlust und Raub beginnt der Roman, der als Rückblende erzählt wird.

Als die eigentliche Geschichte nun beginnt, ist Theo Decker 13 Jahre alt, ohne Mutter, sein Vater ein Säufer und Glücksspieler, der die Familie längst verlassen hat, es gibt sonst keine direkten Verwandten. Was wird nun aus ihm? Die Sozialbehörden kümmern sich, doch zum Glück findet sich ein Schulfreund, dessen Eltern reiche Anwohner der Park Avenue sind, die Familie Barbour. Dort zieht er ein.
Es taucht dann schon bald aus dem fernen Las Vegas der Vater mit neuer Lebensgefährtin auf und erhebt Anspruch auf den Sohn. Theo muss mit. In Las Vegas trifft er Boris, mit dem er sich anfreundet. Ein Junge aus der Ukraine, der mit seinem Workaholic-Vater unstet durch die Weltgeschichte reist. Ein Einzelkind wie Theo und wie er auch Halbwaise, beide einsam. Zu seinem Unglück jedoch beschleunigt Boris die Abnutzung von Theos Gewissen erheblich: Sie rauchen, klauen, trinken, werfen Tabletten ein und reden dabei, weil beide im Grunde kluge Jungen sind, die dem Wesen der Dinge auf den Grund gehen wollen, über die Bücher, die sie lesen. Doch immer mehr gerät er auf die schiefe Bahn. Flieht schließlich aus Las Vegas nach NY zurück und kommt bei dem sanften und schüchternen Hobie Hobart, dem Mitinhaber des Antiquitätengeschäfts „Hobart and Blackwell“, unter. So schließt sich der Kreis, denn Welty Blackwell ist der alte Mann aus dem Metropolitan. Hobie wird über die Jahre für Theo ein väterlicher Freund, der ihn in den Feinheiten der Möbelrestauration unterweist und an dem Theo später einen unschönen Verrat begehen wird…

Der Roman ist sehr anrührend, weil er den Verlust beschreibt, was der Verlust einer Mutter für einen 13 Jährigen bedeutet, wie dieser Verlust ihn sein Leben begleitet und wie er diesen Verlust verwindet. Das alles wird in ganz tollen und ergreifenden Bildern erzählt.
Auch ist der Roman soziologisch sehr spannend geschrieben, denn die unterschiedlichen Milieus in denen Theo aufwächst sind überzeugend und authentisch herausgearbeitet. Vor allem aber geht es um die verschwimmende Grenze zwischen guten Absichten und bösen Taten. Obwohl der Junge weiß, dass es Unrecht ist, wird er das Bild 14 Jahre lang verstecken. Und schlussendlich geht es um Identität: „Ein großes Leid und eines, das ich erst anfange zu verstehen: Wir können uns nicht aussuchen, wer wir sind.“

Der Distelfink ist im Stil geschrieben wie Dickens oder auch ein wenig wie Harry Potter. Nicht umsonst wird Theo von seinem Freund Boris „Potter“ gerufen. Es macht große Freude Donna Tartts Figuren zu folgen und auch ihrem Sprachwitz und dem großen Metaphernreichtum, den Verweisen auf die Literatur, den Schönheiten und der Liebe zur Kunst. Die Geschichte nimmt sich die Zeit über 1024 Seiten die Charaktere zu entwickeln. Man wird Teil der Gedankenwelt, begleitet sie, fühlt sich wie amputiert, als die letzte Seite gelesen ist…Von Sibylle

Dieses Buch kannst du in der Bücherei ausleihen. Hier kannst du dich vormerken.

Ein Mann namens Ove: Fredrik Backmann

 368 Seiten Verlag: FISCHER Krüger; Auflage: 2 (18. August 2014)Ein Mann namens Ove
Fredrik Backmann: Ein Mann namens Ove. 368 Seiten
Verlag: Fischer Krüger. 2014

In Oves Bann bin ich beim lesen geraten. Nachdem ich das Buch innerhalb von wenigen Tagen kaum aus der Hand legen konnte, sage ich: „Ja!“

Ove ist 59 J. alt, er ist seit einem halben Jahr Witwer, ist noch etwas ungeübt darin, spricht zu seiner Frau Sonja, weiß nicht so recht weiter mit seinem Leben ohne sie. Da ziehen neue Nachbarn ein in sein Viertel und plötzlich ist nichts mehr wie es war. Ove hat seine Prinzipien…komme was da wolle. Die lieben Nachbarn kommen und Ove überlegt, ob auch er über seinen Schattten springt…
In den Zeiten wird gesprungen, über seine Kindheit und wie er seine Sonja kennengelernt hat, wird erzählt.
Schonungslos offen, verständlich und nachvollziehbar, traurig und schön in einem. Man darf sich als Leser nicht abgestossen oder erschreckt fühlen, weil Ove Pläne für sein Ableben trifft, da er sich so verloren fühlt. Jeder Leser, der durchhält, wird belohnt mit einer wunderbaren Geschichte… Von AsDa
Dieses Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.

Lockwood & Co. Die seufzende Wendeltreppe: Jonathan Stroud

Jonathan Stroud: Lockwood & co - die seufzende Wendeltreppe.432 S. cbj. 2013
Jonathan Stroud: Lockwood & Co – Die seufzende Wendeltreppe. 432 S. cbj. 2013

Glauben Sie an Geister?

Nein?

Tja, hätten Sie ein paar Jahrzehnte früher gelebt hätten Sie das auch nicht glauben müssen. Doch jetzt wird das „Problem“ immer schlimmer. In London kann man nachts nicht mehr lange Spaziergänge machen, wenn du nicht von der Geistersieche befallen und blau und angeschwollen auf der Straße liegen willst (natürlich mausetot). Aber das passiert seltener als das „Besucher“ in Häusern ihr Unwesen treiben. Ein Besucher ist ein Mensch, der von den Toten zurückgekommen ist, weil er noch etwas in der Menschenwelt zu erledigen hat. Zum Beispiel wurde jemand ermordet mit einem Messer und der Tote wird im Garten vergraben und wenn niemand den Mörder fasst, kommt der Tote als Geist zurück. Seine „Quelle“ ist dann entweder das Messer oder sein Körper. Je grausamer der Tod desto aggressiver der Geist in Bezug auf den Menschen. Als das „Problem“ buchstäblich zum Problem wurde merkte man, dass Jugendliche die Geister entweder sehen oder hören konnten. Danach sprossen viele Agenturen wie Pilze aus dem Boden. Marissa Fittes hatte die Gabe des Hörens und besaß die größte und älteste Agentur Englands. Wenn man nun die Quelle einer „Heimsuchung“ gefunden hatte, konnte man sie entweder mit Salz oder Eisen sichern oder, wenn es ging, sie einschmelzen und beseitigen. Viele Haushalte hatten bald Lavendel oder Eisenamulette als Schutz gegen Geister vor der Tür hängen. Doch trotzdem half das nicht immer… Und nun zu Lucy Carlyle, sie ist eine Agentin oder besser gesagt sie will eine werden und bewirbt sich bei der kleinen Agentur Lockwood & Co. … Von Luap 12 J.

Dieses Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Lockwood kannst du hier vormerken.

Caravan: Marina Lewycka

marina Lewyka: Caravan
Marina Lewycka: Caravan. 380 S. dtv premium. 2007

„Caravan“ von Marian Lewycka, von 2007, für mich das beste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe!

Die Chance, einen Sommer mit jungen Erwachsenen aus aller Welt zu verbringen gibt es in diesem Fall nicht auf dem Campingplatz, sondern unter Saisonarbeitern, die aus unterschiedlichen Gründen auf einem englischen Erdbeerfeld landen. Mich fasziniert die sorgfältige Herausarbeitung der Charaktere, der politisch-geografischen Hintergründe, das Spiel mit der Sprache. Die gemeinsame Fremdsprache und die nonverbale Kommunikation über die Sprache hinaus beziehen die Lesenden in die verflochtenen Beziehungen der Erdbeeerpflücker mit ein.

Freundschaft im globalisierten Europa fernab einer Sprachreisenelite: spannend in der Handlung, kurzweilig im Schreibstil und erschreckend ehrlich. Von Beate Surek

Dieses Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.

Tomaten mögen keinen Regen: Sarah Michaela Orlovský

Mit dem Evangelischen Buchpreis 2014 ist die Schriftstellerin Sarah Michaela Orlovský für ihren Jugendroman ab 12 J. „Tomaten mögen keinen Regen“ ausgezeichnet worden.

Evangelischer Buchpreis für Sarah Michaela Orlovský, 2014. Ein Jugendbuch ab 12 Jahren. Tomaten mögen keinen Regen, Wiener Dom-Verlag 2013, Jugendbuch ab 12, Roman, 176 S.
Sarah Michaela Orlovský:
Tomaten mögen keinen Regen. 176 Seiten. Wiener Dom-Verlag. 2013

Die junge Autorin wurde 1984 in Oberösterreich geboren und ausgebildet. Außer in Wien hat sie noch in Zambia, Armenien, Äthiopien, der Slowakei und Rwanda gearbeitet und gelernt. Zur Zeit lebt sie in Vöcklabruck und arbeitet in einem Jugendzentrum. „Tomaten mögen keinen Regen“ ist ihr erster Roman.

Die zwei Ordensschwestern, Rosa und Miki, führen ein Waisenhaus, „Haus Betlehem“, in ländlicher Region eines nicht näher benannten Landes und betreuen fünf Kinder und Jugendliche. Hovanes ist der älteste und gleichzeitig der Protagonist des Romans, aus dessen Ich-Perspektiven erzählt wird. Er lebt dort zusammen mit Eilis, Gaya, Sirup und Tiko, der jüngsten in der Gemeinschaft. Alle fünf haben ein Handicap und wurden von ihren Eltern verlassen, weil diese gestorben sind oder ihre Kinder nicht wollten. Wie nun diese sieben Personen, mit ihren Bedürfnissen und Wünschen, mit ihren Sorgen und Ängsten, mit ihren Behinderungen, mit Stärken und Schwächen zusammen leben und ihren Alltag meistern, davon handelt dieser Roman.

Aus Hovanes Sicht erleben wir den Alltag seiner „Familie“ über einen Sommer lang: einkaufen, kochen, backen, spielen, im Garten Unkraut jäten, Tomaten gießen, Kaninchenställe bauen und Rangeleien wie sie bei Kindern üblich sind. Auch werden uns Einblicke in das Seelenleben des Ich-Erzählers Hovanes ermöglicht. Spannend ist der Inhalt nicht, aber wie er geschrieben ist: ein einfacher, knapper, trockener und humorvoller Schreibstil lässt die Beteiligten für uns lebendig werden und das Buch kurzweilig.

Mit der Journalistin Ana, die einen Zeitschriftenartikel über die behinderten Kinder im Waisenheim schreiben will, wechselt die Erzählperspektive in einigen Kapiteln. Ana selbst macht einen inneren Wandel durch und wechselt am Ende von der außenstehenden Beobachterin zum Mitglied der Gemeinschaft.

Weiter wird Spannung durch kurze, eingeschobene Prolepse, die farblich abgesetzt sind, erzeugt: Hovanes, auch hier als Ich-Erzähler, hat große Schuldgefühle. Irgendetwas muss passiert sein. Fast bis zum Schluss wird der Leser auf die Folter gespannt, was denn nun wirklich passiert ist.

Ein sehr ruhiges, schnell zu lesendes und unterhaltsames Buch mit Nachwirkung.
Von Regina, Treffpunkt Jakobibücherei Hannover

Dieses Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.

Soul Beach 1. Frostiges Paradies: Kate Harrison

Kate Harrison: Soul Beach. Frostiges Paradies. 350 Seiten. Loewe Verlag. 2013
Kate Harrison: Soul Beach 1 Frostiges Paradies. 350 S. Loewe. 2013

Vergangene Woche hatte ich folgendes Buch gelesen, angekündigt im Bucheinband als Ersten Band einer Trilogie. Ausgeliehen hatte ich es in der Stadtbibliothek in Bad Godesberg.
Aufgefallen ist mir das Cover/ die Umschlaggestaltung: rot mit schwarzen Blockbuchstaben, wie die Beschriftung auf einem Faß, schwarze Palmensilhouette… Die äußeren Buchseiten sind schwarz gefärbt.
Text auf der Buchrückseite: „Meine Schwester ist tot. Seit vier Monaten und fünf Tagen. Ermordet. Heute habe ich eine E-Mail erhalten. Von ihr.“

Auf den ersten Blick habe ich gedacht, das gibt es gar nicht. Kann nicht sein, habe ich gedacht. Interessiert habe ich auf den ersten Seiten gelesen und danach entschieden, ich lese es mal weiter. Die Idee hinter der Geschichte hat mich gefangen genommen, obwohl jeder gesunde Menschenverstand sagt, das es unmöglich ist, das tote Menschen aus dem Jenseits E-Mails schreiben.

Alice, eine 16-jährige, deren ältere Schwester Megan ermordert wurde, bekommt von dieser Toten E-Mails geschickt. Die sind so gestaltet, das Alice skeptisch überlegt, ob es nicht doch von ihrer Schwester kommen kann, da diese sie in einer Art und Weise anspricht, wie sie es zu ihren Lebzeiten getan hat. Trotzig schreibt Alice zurück, auch das sie es für einen üblen Scherz hält, weil jemand Spaß daran hat, Menschen zu quälen.

Tot bleibt tot, wie man so sagt. Aber diese unbändige Sehnsucht nach Megan, ihrer vertrauten Schwester, wie früher mit ihr zu reden, über tiefsinniges oder über Jungs, rumzublödeln, ist so groß, dass Alice der E-Mail-Einladung in eine virtuelle Welt „Soul Beach“ folgt. Dieser Webseite kann man nur per Mail beitreten – ohne Einladung funktioniert es nicht. Es sieht wie eine Strandlandschaft aus, und Megan erzählt ihr mehr und mehr interessantes über diese perfekte Welt. Über Megan findet Alice mehr und mehr Gefallen an dieser Seite und kann dem Sog nicht wiederstehen – am liebsten würde sie dazu gehören… Parallel zu dieser Geschichte versuchen Alices Freunde in der realen Welt sie wiederzurück zu gewinnen, sie aus ihrer Isolation zu reissen… Sie spüren, das Alice ihnen entgleitet. Alles was Alice will ist zusammen sein mit ihrer Schwester. Es wird gefährlich…

Kate Harrison. Soul Beach 2 . Schwarzer Sand. 376 S. Loewe. 2014
Kate Harrison. Soul Beach 2 Schwarzer Sand. 376 S.
Loewe. 2014

Der Erzählstil ist locker und verführt zum weiterlesen. Die Charaktere sind überzeugend dargestellt, ich glaube, jeder kann sich die einzelnen Menschen vorstellen. Auch die Gefühle und Vorgänge in einer Familie und im angrenzenden Freundeskreis sind nachvollziehbar beschrieben, nach einer Ermordung einer jungen Frau, und wie alle lernen damit umzugehen und weiterzuleben. Ich finde, das Thema ist bei aller Unwahrscheinlichkeit glaubwürdig dargestellt. Empfehlenswert finde ich es für alle junggebliebenen Leser, die auch öfter Kontakt mit dem Medium Internet haben. Von AsDa

Soul Beach 1. „Frostiges Pardies“ kannst du hier vormerken.
Soul Beach 2 „Schwarzer Sand“ kannst du hier vormerken.

Mittelstadtrauschen: Margarita Kinstner

Margarita Kinstner. Mittelstadtrauschen. Roman. 2013
Margarita Kinstner. Mittelstadtrauschen. 285 S. Wien: Deuticke. 2013

In einem Wiener Kaffeehaus verliebt sich Jakob auf den ersten Blick in Marie, seine Exfreundin Sonja lernt Gery, ehemals besten Freund von Marie und Pfleger von Jakobs Großmutter, kennen. Weitere Personen und deren Geschichten kommen hinzu und alle sind irgendwie miteinander verbunden ohne es zu wissen.
Die Geschichte beginnt in einem Wiener Kaffeehaus als Marie versehentlich eine Tasse Kaffee umstößt und somit Jakob, der an diesem Tisch sitzt, der Kaffee auf die Hose tropft. Jakob nimmt es gelassen, verliebt er sich doch beim Anblick der Verursacherin augenblicklich in sie. Er verlässt seine Freundin Sonja und kann sich ein Leben ohne Marie nicht mehr vorstellen. Marie ist nicht ganz so gefesselt von Jakob, hat sie doch Erlebnisse der Vergangenheit, vor allem ihre Beziehung zu Joe, der sich mit einem Sprung in die Donau das Leben genommen hat, noch nicht verarbeitet. Sonja ihrerseits lernt Gery kennen, den ehemals besten Freund von Joe und Pfleger von Jakobs Großmutter. So kommen noch einige weitere Personen dazu, deren Wege sich kreuzen und die alle irgendwie miteinander zu tun haben ohne es zu wissen.

Ein wunderbares Buch über Liebe, Freundschaft, Schicksale, Träume und Hoffnungen im Leben.

Das Buch hat einen besonderen Erzählstil, die Sprache ist mal lebendig, mal etwas sachter. Nebenbei wird auch die Stadt Wien sehr bildhaft beschrieben und man bekommt einen Einblick in das Leben der Wiener. Der Roman besteht aus fünf Teilen und jeder Teil hat zumeist viele kurze Kapitel, die von einer Person handeln. Zu Beginn hat man manchmal das Gefühl den Überblick zu verlieren, doch dies ändert sich schnell.
Von Andrea und Helene

Dieses Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.

Wenn Hunde sprechen könnten! Henning Wiesner

Wiesner Henning Wenn Hunde sprechen könnten! Gekürzte Lesung von Katharina Thalbach Der Hörverlag 2013
Henning Wiesner: Wenn Hunde sprechen könnten! Gekürzte Lesung von Katharina Thalbach. Der Hörverlag. 2013

Wissenswertes und Erstaunliches über Hunde, ihre Herkunft, Lebensgewohnheiten, Züchtung und Nutzung durch die Menschen.
Erzählt in einem Zwiegespräch zwischen zwei Hunden; der Bernhardiner Dame Olga und dem Pharaonenhund Maxi.
Henning Wiesner arbeitete mehrere Jahre als Zootierarzt und Direktor im Münchner Tierpark Hellabrunn. Sein ganzes Leben widmete er den Tieren, somit ist er in Fragen bezüglich der Tierwelt ein sehr kompetenter Ansprechpartner. Sein Buch ist sehr informativ und lässt uns die langjährige Freundschaft zwischen Mensch und Hund besser verstehen.
Katharina Thalbach versetzt uns mit ihrer szenischen Lesung in ein, mit Büchern über Tiere volles Zimmer und lässt uns der lebhaften und witzigen Unterhaltung beiwohnen.
Das Cover ist ansprechend. Die Texte sind verständlich.
Der Autor wendet sich in einem kurzen Vorwort an den Leser, wo er erklärt das beide Hunde tatsächlich bei ihm Leben und in ihrem Charakter sehr unterschiedlich sind.
Es gibt kurze Erklärungen für komplizierte Wörter in der Beilage.
Der Autor, die Sprecherin und der Illustrator sind auch in wenigen Sätzen vorgestellt worden.
Hinten steht eine kurze Inhaltsangabe.
Die Lesung von Katharina Thalbach wirkt sehr lebensecht. Die Informationen lassen den Hörer die Hundewelt besser verstehen.

Das Hörbuch ist mit Sicherheit für alle Hundeliebhaber und nicht nur für diese, interessant und spannend. Von Gosia Bad Sobernheim Kulturhaus Synagoge

Dieses Hörbuch befindet sich „noch“ nicht im Büchereibestand. Schreibe einen kurzen Kommentar, so kann dein Interesse bei den Neuanschaffungen berücksichtigt werden.

Gold: Chris Cleave

Chris Cleave: Gold. Roman. 400 Seiten. Deutscher Taschenbuch Verlag. 2013
Chris Cleave: Gold. Roman. 400 Seiten. Deutscher Taschenbuch Verlag. 2013

Zoe und Kate, Anfang 30, sind enge Freundinnen, die sich auf die Olympiade in London vorbereiten. Im Sport aber sind sie harte Konkurrentinnen, denn sie sind beide stark genug, im Bahnradfahren eine Goldmedaille zu gewinnen.

Auch wenn sie Freundinnen sind, so könnten sie nicht unterschiedlicherer Natur sein. Zoe ist oft verbissen und kämpft nicht immer mit ganz fairen Mitteln. Kate dagegen ist liebenswürdig und kümmert sich zusammen mit ihrem Mann Jack rührend um ihre Tochter Sophie, die an Leukämie erkrankt ist. Um sie zu pflegen, hat Kate sogar auf die Teilnahme an der Olympiade in China verzichtet.

Nun wollen beide, Kate und Zoe, in London gewinnen. Doch kurz vor der Olympiade ändert das Olympische Komitee die Regeln. Diese Änderung stellt ihre Freundschaft auf eine harte Probe. Dazu kommt die Angst, dass das Geheimnis, das die drei teilen, doch noch ans Tageslicht kommt.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist kein Buch über Radsport, auch wenn Training und Wettkampf eine große Rolle spielen. Es geht mehr um Freundschaft und Familie und Karriere. Fast von Beginn an wird eine Spannung aufgebaut, die mich gefangen gehalten hat. Ich konnte das Buch oft nicht aus der Hand legen, vor allem auch weil Cleave’s Schreibstil sehr flüssig und leicht zu lesen ist. Von Agnes

Dieses Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.

Male deine Helden 6: Luna Lovegood

Harry Potter: Der Orden des Phönix. DVD. Lauflänge 132 Min. FSK ab 12 J.
Harry Potter: Der Orden des Phönix. Band 5. DVD. Lauflänge 132 Min. FSK ab 12

Luna Lovegood  ist ein Mädchen, von dem es heißt, es sei nicht ganz richtig im Kopf. Sie wird von vielen Schülern mit dem Namen Loony „verrückt, töricht“ gehänselt. Ihr Vater Xenophilius Lovegood ist Chefredakteur der Zeitschrift Der Klitterer, im Original „The Quibbler“, welche dafür bekannt ist, ausschließlich hanebüchene Artikel, oft in Form von Verschwörungstheorien, zu enthalten. Ihre Mutter starb aufgrund eines unsachgemäßen Zauberexperiments, als Luna neun Jahre alt war.

Luna Lovegood hat ab dem 5. Harry Potter-Band ihren Einsatz. Gezeichnet von Olivia 13 Jahre!!
Luna Lovegood hat ab dem 5. Harry Potter-Band ihren Einsatz. Gezeichnet von Olivia 13 Jahre!!

Luna steht auch im Ruf, nur an Dinge zu glauben, solange ihre Existenz nicht bewiesen ist … Sie ist jedoch weitaus mehr als das geistesabwesende und etwas merkwürdige Mädchen, als das sie vielen erscheint. Sie ist klug und sieht und bemerkt mehr als die meisten Menschen um sich herum. Außerdem ist Luna abgrundtief ehrlich, was andere häufig unangenehm berührt, und schätzt ihre wenigen Freundschaften sehr. In ihrem Zimmer zu Hause hat sie Bilder von Harry, Ron, Hermine, Ginny und Neville an die Decke gemalt, welche sie mit Wortketten „Freunde“ schmückend verbunden hat. … Ihr Patronus ist ein Hase. Wikipedia

Alle Harry Potter Filme und alle Bücher, sowie alle Harry Potter Hörbücher kannst du im eOpac unserem Medienkatalog finden und vormerken.