Der Bibliothekar, der lieber dement war als zu Hause bei seiner Frau – Dimitri Verhulst

Dimitri Verhulst: „Der Bibliothekar, der lieber dement sein wollte als zu Hause bei seiner Frau“ Luchterhand, 2. Aufl. München 2013, 140 S., aus dem Niederl.
Dimitri Verhulst:
Der Bibliothekar, der lieber dement war als zu Hause bei seiner Frau.
Luchterhand, 2013, 140 S., aus dem Niederl.

Als der ehemalige Bibliothekar Desiré Cordier feststellen muss, dass mit 74 Jahren das Leben rasant schnell zu Ende geht, möchte er seine kostbare Restzeit nicht länger mit seiner ungeliebten dominanten Frau Moniek verbringen. Zumal die Aussicht, das Haus mit seinem Refugium „Garten“ gegen eine altersgerechte Stadtwohnung – noch enger an Moniek gekettet – für ihn eine entsetzliche Perspektive ist.

Um dem zu entgehen, beschließt er, Demenz vorzutäuschen, was ihm so gut gelingt, dass er bald im Pflegeheim mit dem vielsagenden Namen „Winterlicht“ untergebracht ist. Das alles ist flott und unterhaltsam erzählt, dabei mit einem klaren Blick auf die Zustände in Pflegeheimen und den Umgang mit Dementen. Aber letztendlich schießt Desiré doch ein Eigentor. Denn wer will schon ernsthaft unter Dementen leben, von der Familie und den Freunden verlassen, wenn er in Wirklichkeit klar sieht? Das ist der Preis der echten wie der gespielten Altersdemenz: Man ist allein. Der von Kapitel zu Kapitel erweiterte kurze Vorspann “Ich gehe über den Styx und packe ein…“ macht doch allzu deutlich, dass der Schritt ins Pflegeheim ein endgültiger ist. –

Ein tragi-komisches Lesevergnügen auf 140 Seiten.

Irmgard

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