Vogelweide: Uwe Timm

Uwe Thimm: Vogelweide. Kiepenheuer und Wisch. 2013
Uwe Timm: Vogelweide. 334 Seiten. Kiepenheuer & Witsch. 2013

Am selben Tag, an dem Eschenbach den Bankrott seiner Softwarefirma erkennen muss, beendet seine Geliebte, Anna, ihre äußerst intensive Liebesbeziehung. Eine Beziehung, die nicht nur ihrer beider Welt regelrecht aus den Angeln gehoben hat, sondern – als verheimlichter Teil einer Vierecksgeschichte – auch die ihrer „eigentlichen“ Partner Selma und Ewald.

Sechs Jahre später, abgeschieden und „reich an Zeit“ auf einer naturgeschützten Vogelinsel in der Elbmündung als Vogelwart lebend, hat Eschenbach zu sich selbst und zu seinem inneren Frieden gefunden. Als Anna, die nach der Trennung in den USA ein neues Leben angefangen hat, überraschend ihren Besuch ankündigt, rollt Eschenbach vor seinem inneren Auge noch einmal ab, was sie so stark zueinander zog, dass Anna für sich nur noch die Flucht weg von ihm und aus ihrer eigentlich glücklichen Ehe sah.

Leser, die Freude an sprachlich schönen, treffenden Formulierungen haben, werden diesen ruhig erzählten Roman lieben. Timm öffnet dem Leser den Blick für die feinen Unterschiede in den Beziehungen zwischen sich liebenden und wertschätzenden Menschen. Dass es trotzdem kein „Happy End“ im herkömmlichen Sinne geben kann, liegt daran, dass Anna und Eschenbach sich zu spät im Leben getroffen haben – und dass sie diese Tatsache auch akzeptieren können.

Mit „Vogelweide“ ist Uwe Timm m.E. wieder ein sehr lesenswerter Roman gelungen. Ausleihbar auch in der EÖB Oberwinter.
Von Irmgard

Dieses Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.

Das Sonnenblumenfeld: Andrej Longo

Andrej Longo. Das Sonnenblumenfeld.193 Seiten. Insel Verlag. 2012
Andrej Longo. Das Sonnenblumenfeld. 193 S. Insel Verlag. 2012

Die Geschichte spielt tief im Süden Italiens. Lorenzo ist 17 Jahre alt, er hat sich in die schöne Catherina verguckt. Damit ist er nicht allein, aber er hat etwas, was andere nicht haben: eine Tamorra, ein sizilianisches Instrument, ähnlich einem großen Tambourin. Die spielt er beim Dorffest des Bürgermeisters so berauschend, dass Catherina tatsächlich auf ihn aufmerksam wird.
Er erobert ihr Herz. Na ja, „erobern“ ist vielleicht nicht ganz richtig. Denn was zwischen den beiden passiert, geschieht zunächst ganz still, ganz sanft. Fellone hingegen kennt „sanft“ nicht. Er ist der reiche Sohn des örtlichen Bauunternehmers.
Catherina gehört ihm, hat er sich jedenfalls so ausgedacht, weil er immer alles bekommt, was er haben will. In diesem Fall aber irrt er gewaltig.
Mit zur Geschichte gehören noch zwei redliche Familienväter, die eine Lottostelle überfallen, weil sie arbeitslos sind und ein Afrikaner, der mit seinem Flüchtlingsboot an den Strand der kleinen Stadt gespült wird.

Es ist eine Geschichte, so alt wie die Menschheit und Andrej Longo erzählt sie packend und voller Sinnlichkeit.
Eine Geschichte von Arm und Reich, von Neid und Begehren, von Liebe und Mut.
Immer schneller, wie beim Wirbel der Pizzica, treibt sie auf ihren Höhepunkt zu.
Von Birgit: Krankenhausbücherei der Ev. Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop-Rauxel

Pizzica = Ist ein Volkstanz, ein musikalisches Feuerwerk, der in Apulien getanzt wird.

Dieses Buch kann in der Bücherei ausgeliehen werden. Hier kannst du dich vormerken.